12AirGrid und Leistungsnachweise

Das AirGrid kann als räumlicher Bezugsrahmen dienen. Es ordnet, wo eine Massnahme flächen- wie volumenorientiert stattfindet und auf welcher Datengrundlage ihre Wirkung berechnet wird. Weil sich die Atmosphäre global mischt, ist die Klimawirkung einer dauerhaften CO₂-Entnahme nicht auf den Ort der Massnahme beschränkt.

Das AirGrid als Kataster

Eine Filterstation am Fluss reinigt nicht den Fluss an einer Stelle, sie entzieht dem vorbeifliessenden Wasser Schadstoffe. Genauso entlastet jede CO₂-Entnahme innerhalb einer die globale «2-mm-Last» für alle, unabhängig davon, wohin der Wind die saubere Luft trägt. Umgekehrt bedeutet ein Übermass an Emissionen das Externalisieren einer Umweltlast.
Das ist das geocodierte Raster aus 5,1 Billionen AirCols, das diese Leistung verortet.

Die Erdoberfläche beträgt rund 510 Billionen m². Bei 100 m² pro AirCol ergeben sich ca. 5,1 Billionen AirCols. Das AirGrid macht Beiträge zur Atmosphäre sichtbar und zuordenbar. Wichtig: Es geht dabei nicht darum, Wirkungen lokal zu begrenzen, denn CO₂ verteilt sich global. Das Raster dient der Zurechenbarkeit von Verantwortung und Leistung, nicht der Abgrenzung lokaler Effekte.

AirCol und AirHus: das Gewicht der Luft als 10-Meter-Wassersäule · zum Vergrössern anklicken

Identifikate

Der neu bezeichnende Begriff versteht sich als Leistungsnachweis, als standardisierter Datensatz über eine nachgewiesene Klimaleistung, nicht als Währung oder Wertpapier. Ein solcher Nachweis müsste Menge, Zusätzlichkeit, Dauer, Messmethode, Unsicherheit, Eigentumsrechte und Haftung enthalten.
Im Wort Identifikat ist «identifizieren» implizit enthalten. Es tendiert hin zu Bottom-up Fragen und Lösungen: Wie viel CO₂ Sequestrationspotential enthält eine bestimmte Pflanze, ein Cluster von typischen Pflanzen und Ähnliches. Es dient der Identifikation von Potentialen als primärem Schritt hin zu Lösungen.
Es gibt verschiedene Typen: biologische (Humusaufbau, Aufforstung), technische (DAC, Pyrolyse) und hybride Formen. Entscheidend ist jeweils, dass Menge, Ort, Dauer und Methodik der Bindung dokumentiert und überprüfbar sind, da Potenzialwerte für Landwirtschaft, Wald, Moore oder Küstenökosysteme stark variieren.
  • Der fassbare Nachweis einer real entnommenen CO₂-Menge ist der Wert.
  • Wer ein Identifikat erzeugt, weist sich über sein Tun als aktiver Leistungserbringer aus. Es ist die Transformation vom passiven Belaster zum aktiven Restaurator (airvalue.earth).

Die Potential-Matrix

Eine Potentialliste als Beurteilungsmatrix von Sequestrationsleistungen ist in zwei Richtungen wertvoll: Top-down hat sie mehr analytischen Charakter wie beispielsweise über das Erfassen und Auswerten von Satellitendaten, bottom-up übt sie eher Impulswirkung aus über die fundierte Wissensvermittlung der Sequestrationsleistungen unterschiedlicher Vegetationsarten.
SektorMassnahmeCO₂-Aufnahme pro AirCol (kg/Jahr)Umgerechnet auf ha (10’000 m²) t CO₂/ha/JCharakter
LandwirtschaftHumusaufbau20 bis 802 - 8Bodenbelebung, Wasserhalt
ForstwirtschaftDauerwald, Holzbau40 bis 1204 - 12langfristiger Speicher
Moore, Feuchtland,Renaturierung50 bis 2005 - 20höchster natürlicher Schutzfaktor
Maritim (Blau)Mangroven, Seegras100 bis 30010 - 30Kühlung, Küstenschutz
Technik (Pyrolyse)PflanzenkohleAbhängig von Biomasse Zufuhrdauerhafte geologische Fixierung

Die effektiv erreichbaren Werte hängen von den Standort- und Jahresbedingungen ab und sind nur Orientierungswerte.

Die Rollen der Akteure

Durch die 100-m²-Sichtweise oder einem Vielfachen (Hektar, km², Cluster) hiervon wird das Klimaproblem zu einer lokalen, zuordenbaren, vielleicht kompetitiven und wertschaffenden Wartungsaufgabe:
  • Land- und Forstwirte werden zu Produzenten von Boden-Identifikaten.
  • Gemeinden nutzen das AirGrid, um Bürger an der Restauration ihrer Region zu beteiligen.
  • Investoren bauen ein Portfolio realer Werte auf.

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