Das 'Prozesshaus Erde' wird umfasst durch die Lufthülle. Die Atmosphäre ist kein geschlossener Raum über unseren Städten, sondern ein globales Fliesssystem, das untrennbar mit den Meeren verbunden ist. Die rückgestaute Energie der IR Strahlung wird mehrheitlich in den Meeren gespeichert. Das gleicht einem Warmwasserspeicher, dem ständig von der Hausheizung Energie zugeführt wird, ohne dass sie im gleichen Mass wieder abfliessen kann.
Daraus folgt eine gefährliche Täuschung. Die Meere schlucken etwa 90 % der Wärme und 25 % der Emissionen scheinbar lautlos, sodass der Eindruck entsteht, die Emissionen seien verschwunden. Die Folgen sind und thermische Ausdehnung. Der Ozean ist der grösste Speicher des Systems. Ist er gesättigt, verliert das Gesamtsystem seine wichtigste Bremse.
Der Multiplikatoreffekt erklärt, warum kleine stoffliche Änderungen so grosse energetische Folgen haben. Der Zusammenhang wird in drei Schritten deutlich.
Erstens, die direkte menschliche Energieproduktion. Der Primärenergieverbrauch liegt weltweit bei rund 19 Terawatt, im Jahr 2023 gemessen. Nahezu die gesamte dieser Leistung wird früher oder später als Abwärme an die Umgebung abgegeben.
Zweitens, das Erd-Energieungleichgewicht. Der Earth Energy Imbalance liegt bei rund 0,9 ± 0,15 W/m². Multipliziert mit der Erdoberfläche von 5,1 × 10¹⁴ m² ergibt dies eine zusätzliche im System verbleibende Leistung von rund 460 Terawatt. Das ist rund 25-fach des direkten menschlichen Energieverbrauchs.
Drittens, die Ursache des Ungleichgewichts. Diese Überschussenergie entsteht nicht durch Abwärme unserer Kraftwerke, sondern durch die veränderten Filtereigenschaften der Atmosphäre. Die zusätzlichen CO₂-Moleküle halten Infrarotstrahlung länger im System fest, die sonst ins All entwichen wäre. Unser Tun hebelt also fremde Energie, die Sonnenenergie, in das System hinein, anstatt selbst Energie zuzuführen.
Die Botschaft ist somit: Wir haben weniger ein Energieproblem im absoluten Sinn, sofern es saubere Energieformen sind. Wir haben ein Filterfunktionsproblem durch Überlastung der Atmosphäre mit überschüssigen Treibhausgasen. Selbst wenn der Primärenergieverbrauch verdoppelt würde, aber die Filtereigenschaften der Atmosphäre unverändert bliebe, wäre die zusätzliche Belastung deutlich geringer als durch die aktuelle CO₂-Anreicherung. Etwa 90 Prozent der Überschussenergie werden von den Ozeanen aufgenommen, wie ein ständig befüllter Boiler ohne Abfluss.