11Die «andere Hälfte» der CO₂ Konzentrationsmessung

Dass Restauration im globalen Massstab möglich ist, zeigt die Erde jedes Jahr selbst. Das charakteristische Zick-Zack-Muster der Keeling-Kurve ist die sichtbare Signatur der Photosynthese: Im Frühling und Sommer der Nordhalbkugel sinkt der globale CO₂-Gehalt um 6 bis 7 ppm.

Die Messkurve zeigt jedoch nur knapp die Hälfte des jährlichen kontinuierlich steigenden Konzentrationszuwachses. Meere und Vegetation schlucken heute mehr als die Hälfte der Emissionen. Bei zunehmender Sättigung und Erwärmung droht eine Umkehr hin zur Re-Emission: Die Ozeane, aber auch die Vegetation könnten vom Speicher zur Quelle werden.
Das Suchen nach Lösungen für die Sequestration von Treibhausgasen ist ein breites Sowohl-als-auch. Vieles ist bekannt, erforscht und entwickelt, jedoch zu wenig genutzt. Viele Lösungen müssen noch gefunden werden. Die Aufgabe ist zu gross für ideologische Scheuklappen.
  • (NbS) sind eng verknüpft mit der , einem natürlichen Prozess mit der global grössten Kontaktfläche mit der Lufthülle. In den Zellen aller Pflanzen und Algen findet die Umsetzung von CO₂ in Biomasse sowie die Veratmung statt. Es sind kosteneffiziente und sofort verfügbare Lösungen. NbS ist das einzige System, das die Last CO₂ in Sauerstoff umwandelt. Damit reparieren wir nicht nur das 'systemische Uhrwerk' der Erdtemperatur, wir sichern zugleich die chemische Basis unserer Atmung.
  • (DAC): die spezialisierte technische Ergänzung. DAC liefert hohe Konzentrationsleistung auf kleinem Raum und ermöglicht dauerhafte Bindung durch Mineralisierung. Bei starkem Ausbau erneuerbarer Energien können DAC-Anlagen Energieüberschüsse aufnehmen.
CO₂-Aufnahme durch natürliche Senken (IPCC AR6) · zum Vergrössern anklicken

CO₂ Farming als Teil von Synergielösungen

Jedes Werkzeug zählt. Ein unterschätzter Hebel liegt im Haltbarmachen von Biomasse. Die Natur bindet über Photosynthese jährlich gewaltige Mengen CO₂, von denen ein Grossteil durch Verrottung wieder freigesetzt wird. Entzieht man einen Teil dieser Biomasse der Zersetzung, durch hermetische Lagerung, Einbringung in Böden oder Umwandlung in langlebige Produkte, bleibt der Kohlenstoff für Jahrzehnte bis Jahrhunderte gebunden.

Ein mittlerer Baumbestand nimmt etwa 6 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr auf. Anbaupflanzen liegen zwischen 3 und 20 Tonnen pro Hektar und Jahr, Mangroven am oberen Ende. Wenn diese Biomasse aber verrottet oder verbrannt wird, kehrt der Kohlenstoff in wenigen Jahren zurück in die Luft. CO₂-Farming setzt spezifisch hier an.

Praktisches Beispiel: Heu-, Gras- oder Strohballen werden zu tausenden für die Tiernahrung gelagert. Speziell erzeugte CO₂-bindende Ballen mit hermetischer Einlagerung und definierter Mindestverweildauer können als Identifikate nach den gleichen Standards wie andere Entnahmeverfahren zertifiziert werden.

Für Land- und Forstwirte eröffnet CO₂-Farming ein zusätzliches Einkommensmodell, das den klassischen Anbau nicht ersetzt, sondern ergänzt.

Das könnte der Land- und Forstwirtschaft ein zusätzliches Einkommen verschaffen. Ein schwerer Stroh- oder Heuballen besteht zur Hälfte aus Kohlenstoff. Ihm einen Wert als CO₂-Speicher zuzuordnen, wäre ein erster konkreter Schritt. Net-Zero-Strategien von Unternehmen bekämen so physisch nachweisbare Lagerstätten.
CO₂-Sequestration nebst Futter, wo möglich · zum Vergrössern anklicken
Natürliche Lösungen sind unverzichtbar, aber sie sind nicht automatisch dauerhaft. Wälder können brennen, Böden Kohlenstoff verlieren und Ozeane ihre Aufnahme verändern. Technische Ansätze können dauerhafter sein, benötigen jedoch Energie, Infrastruktur, Material und sichere Speicher.
AnsatzPrimäre FunktionVorteileGrenzen
Ökosystemschutz und WiederherstellungSpeicher erhalten und Aufnahme stärkenBiodiversität, Wasser, Kühlungreversibel; Fläche und Pflege entscheidend
Biokohle und langlebige Biomasseproduktebiogenen Kohlenstoff länger bindenNutzung von Reststoffen möglichQualität, Herkunft und Dauerhaftigkeit prüfen
Direct Air Capture mit SpeicherungCO₂ direkt aus Umgebungsluft entfernengut messbar, potenziell dauerhafthoher Energie- und Kostenbedarf
MineralisierungCO₂ chemisch stabil bindensehr lange SpeicherzeitMaterial-, Standort- und Prozessaufwand
«CO₂-Farming» sollte nur verwendet werden, wenn eine gut entwickelte und kontrollierbare Speicherung zur Anwendung kommt. Bewertbare Lösungen mit Klimanachweis auf Jahrzehnte hinaus erfordern gesicherte Verfahren, Leckage- und Brandschutz sowie bestätigte Ökobilanzen.
MerkmalNbSDACCO₂ Farming
EnergiequellePhotosynthese (Sonne)erneuerbarer StromPhotosynthese plus Technik
Flächenbedarfhoch (vitale und aride Flächen)gering (standortunabhängig)mittel (Agrar- und Forstflächen, Moore, Algen)
Speicherungbiologisch (dynamisch)geologisch (permanent)physisch (Jahrzehnte)
Rolle im SystemGrundlast-ReinigungSpitzenlast-ReinigungVerrottungs-Prävention

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