Das Erdsystem reagiert verzögert, weil es enorm viel Energie zwischenspeichert. Entscheidend für unser Klima ist, was danach mit dieser aufgestauten Energie geschieht: Wo wird sie gelagert und wie versucht der Planet, das Gleichgewicht wiederherzustellen? Hier kommen zwei Grössen ins Spiel: die thermische Speicherkraft der Weltmeere und die biologische Antwort unserer Biosphäre.
Ozeane und Biosphäre puffern den grössten Teil der Zusatzenergie, ihre Reaktion kommt aber mit Verzögerung.
Die spezifische Wärmekapazität ist ein Stoffwert: wie viel Energie nötig ist, um ein Kilogramm Material um ein Grad zu erwärmen. Für Wasser sind es 4.18 kJ pro kg und K. Für Luft bei konstantem Druck sind es rund 1.0 kJ pro kg und K. Wasser nimmt also pro Masse etwa vier Mal so viel Wärme auf wie Luft, ohne sich merklich stärker zu erwärmen.
Dazu kommt der enorme Dichte-Unterschied. Wasser ist rund 1000-mal dichter als Luft. Pro Volumeneinheit nimmt Wasser damit etwa 3.200-mal so viel Wärme auf wie Luft.
Die Konsequenz ist drastisch. Die gesamte Lufthülle der Erde hat eine Masse von rund 5 × 10¹⁸ kg. Die obersten drei Meter der Ozeane allein entsprechen rund 10¹⁸ kg. Multipliziert mit dem Wärmekapazitäts-Verhältnis ergibt das: Die obersten drei Meter Ozean können so viel Wärme aufnehmen wie die gesamte Atmosphäre.
Das ist der Grund, warum über 90 Prozent der durch Treibhausgase verursachten Zusatzenergie in den Ozeanen landet. Die Atmosphäre, obwohl sie der sichtbare Schauplatz des Treibhauseffekts ist, ist nur der schmale Randbereich des Wärmespeichers. Die grosse Masse sitzt im Wasser.
Daraus folgt eine schwierige Einsicht: Die Erwärmung, die wir bisher erleben, ist nur der an die Luft zurückgegebene Teil. Der grössere Teil ist in den Ozeanen zwischengelagert. Selbst wenn die Emissionen heute sofort stoppen würden, würden die Ozeane diese gespeicherte Energie über Jahrzehnte und Jahrhunderte an die Atmosphäre zurückgeben. Das System ist nicht beim Stopp zu Ende, sondern bei der Äquilibrierung.
Für die Restauration heisst das: Eine spürbare Abkühlung der Oberfläche ist nur möglich, wenn die Atmosphären-Konzentration unter den heutigen Wert fällt. Solange sie hoch bleibt, bleibt auch das Energieungleichgewicht und die Ozeane laden sich weiter auf.